Wanderung durch das Mühlenbecker Land

Über Ostern ins Grüne

In diesem Jahr wird aus dem Osterspaziergang eine 20 Kilometer lange Karfreitag-Wanderung. Sie führt durch das Mühlenbecker Land; in das Naturschutzgebiet (NSG) Tegeler Fließtal.

Unsere Wanderung beginnt am S-Bahnhof Mühlenbeck-Mönchmühle, den es erst seit dem 2. September 1984 gibt.

Die Dörfer Mühlenbeck und Summt selbst wurden aber bereits im Jahr 1375 erstmals im „Landbuch Kaiser Karl IV.“urkundlich erwähnt und im Jahr 1415 an das Kloster Lehnin verkauft. Dieses ließ 1458 einen Wirtschaftshof bauen, der neben Mühlenbeck und Summt auch andere im Barnim gelegenen Klosterdörfer verwaltete.

Kirche in Mühlenbeck (Foto: Peter Siebke)

Der Doppelname Mühlenbeck-Mönchmühle leitet sich vom ältestes Gebäude des Ortes ab: Der Mönchmühle. Sie wurde um das Jahr 1230 von Zisterziensermönchen des Klosters Lehnin erbaut und war als eine der ältesten Wassermühlen Brandenburgs eng mit der Geschichte Mühlenbecks verbunden, obwohl sie näher an Schildow als am heutigen Mühlenbeck lag. Die alte Mühle wurde erst 1973/1974 stillgelegt. Heute ist ein Mönchmühlenverein bestrebt der alten Mühle zu neuem Glanz zu verhelfen und veranstaltet in jedem Jahr ein Mönchmühlenfest.

Eine wechselhafte Geschichte bestimmte die Entwicklung Mühlenbecks. Vom Klosterbesitz und einstigem Mühlendorf entwickelte sich Mühlenbeck zu einem Ort, um den herum zur Jahrhundertwende Ziegeleien und Töpfereien entstanden.

Schule in Mühlenbeck (Foto: Peter Siebke)

Am 21. Mai 1901 fuhr auf der neuen Eisenbahnlinie von Reinickendorf nach Liebenwalde der erste Personenzug der „Heidekrautbahn“. Und wenig später ein Postautobus von Frohnau. Das Gebiet um den Summter und Mühlenbecker See wurde zum Naherholungsgebiet der Berliner.

Mühlenbeck blieb im Zweiten Weltkrieg fast unzerstört und im Umfeld siedelte sich Landwirtschaft an.

Wir gehen vom Bahnhof aus auf der Kastanienallee bis zur Woltersdorfer Straße und biegen in dieselbe ein. Nach der Überquerung des Tegeler Fließes, welches nach dem Berliner Ortsteil Tegel benannt wurde, folgen wir kurz in östlicher Richtung der Bahnhofstraße um dann links in die Buchhorster Straße und ein Stück weiter wieder links in den Ziegeleiweg einzubiegen. Der grün gekennzeichnete Wanderweg führt uns wieder über das Tegeler Fließ, an einem Hundesportplatz vorbei, über die Autobahn hinweg zum östlichen Ortsrand von Summt.

Wir kommen an der verfallenen ehemaligen Fischerhütte vorbei, die um das Jahr 2000 herum zusammen mit einigen Neubauten der Gesundheitspark Summt werden sollte. Weiter gehen wir auf dem gelb-grünen Wanderweg am Nordufer des Mühlenbecker Sees entlang. Im dortigen Mischwald werden wir von lautem Spechtklopfen empfangen.

Nach einer halben Stunde sehen wir rechter Hand einen hübschen Turm aus dem Wald ragen. Es ist das an einem kleinen See liegende und langsam verfallende Schloss Dammsmühle – die zweite Ruine der Neuzeit auf unserer Wanderung.

Der kleine See war der Mühlenteich der dort im Jahre 1755 vom Sattler und Lederfabrikanten Peter Friedrich Damm gebauten Walkmühle zur Lederherstellung. Durch die Produktion von Uniformzubehör reich geworden, ließ er dort noch ein Jagdhaus und eine Orangerie bauen. Nach mehrmaligem Abbrennen wurde zusätzlich ein Damen- und Kavaliershaus gebaut. Das romantisch gelegene Anwesen war zu jeder Zeit ein gefragtes Objekt.

1812 logierte Napoleon in Dammsmühle, 1824 wurde es von dem Londoner Kaufmann Heese gekauft, 1894 kaufte es der Sohn des Amtsvorstehers von Pankow, Leutnant Adolf Wollank, der dem Herrensitz mit dem Bau eines zweiten Hauses und des Turmes, seine heutige Grundgestalt gab.

1910 trafen sich Kaiser Wilhelm II. und der letzte russische Zar Nikolaus II. in Dammsmühle, 1929 kaufte Harry Goodwin Hart, Direktor des britischen Seifenkonzerns Unilever, das Anwesen. Er musste 1938 mit seiner jüdischen Frau Deutschland verlassen. 1940 enteigneten die Nationalsozialisten Hart und der Reichsführer der SS Heinrich Himmler wurde Hausherr auf Schloss Dammsmühle.

1945 wurde Dammsmühle von der Roten Armee besetzt, die ein Lazarett und ein Erholungsheim mit Casino für sowjetische Offiziere einrichtete.

1951 wurde das Objekt an die deutschen Behörden übergeben, die es als Bildungsstätte und Pionierlager nutzten, bevor sich 1959 das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) des Schlosses bemächtigte. Nach dem Zusammenbruch der DDR im Jahr 1989 wurde das Schloss noch für Filmaufnahmen und kurzzeitig als Hotel genutzt. 1997 ging das Schloss an die Erben der Vorkriegsbesitzer zurück, die es an einen Mediziner aus Niedersachsen verkauften. Angesichts der bewegten Geschichte ist es schade, dass dieser Ort verfällt, denn mit ihm verfällt Geschichte.

Nachdem wir das Schloss und die Umgebung desselben ausführlich inspiziert haben, führt uns der gelbe Wanderweg in Richtung Norden nach Zühlsdorf. Auch dieses Dorf wurde 1375 im “Landbuch Kaiser Karl IV.” erstmals urkundlich erwähnt. Wassermühlen, die als Getreide- und Sägemühlen betrieben wurden, prägten das Bild und bis zum Anschluss an die Heidekrautbahn 1910 zählte Zühlsdorf zu den ärmsten Dörfern des Gebietes. Danach wurde es zu einem gut besuchten Ausflugsort. Heute gibt es an der Zühlsdorfer Mühle einen beliebten Campingplatz und bei der Zühlsdorfer Försterei ein bemerkenswertes Wildgatter mit Rot- und Damwild.

Nach einer Einkehr begeben wir uns in Zühlsdorf auf den grün gekennzeichneten Weg zum Summter See, um von dort, nach einer weiteren Einkehr, in südwestlicher Richtung zu laufen. Wir kommen am Ortsschild von Bergfelde aus dem Wald heraus und begeben uns auf einem gelb gekennzeichneten Wanderweg in Richtung Osten, um direkt an der Kirche, im Ortskern von Mühlenbeck, anzukommen. Von dort ist es nicht mehr weit bis zu unserem Ausgangspunkt – dem S-Bahnhof Mühlenbeck-Mönchmühle.

Peter Siebke