Schlaubetal

Von der Quelle zur Bremsdorfer Mühle

Nachdem wir mit dem Besuch des Unteren Odertals den Nordosten Brandenburgs unsicher machten, zieht es uns jetzt in den Südosten des Landes.

Petrus scheint es nicht gut mit uns zu meinen. Der einzige Tag ohne Sonnenschein seit längerer Zeit. Nun, wir sind hier und lassen uns davon nicht unterkriegen.

Frosch, Schlaubetal - Foto: Ralf Salecker

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Frosch, Schlaubetal - Foto: Ralf Salecker

Bewusst haben wir uns für die äußerste Südspitze des Schlaubetals entschieden. Hier, kurz nach der Quelle, am Wirchensee, beginnen wir unseren kleinen Rundgang. Er ist einer von vielen Seen, den die Schlaube auf ihrem mehr als 20 Kilometer weiten Weg in Richtung Müllrose durchqueren wird.

Für einen flachlandgewohnten Städter tun sich hier echte Schluchten auf. Bis zu dreißig Meter tief windet sich die Schlaube, einem Mittelgebirgsbach ähnlich, durch das Tal. Später, von Schilfröhrichten, Wiesen, Mooren und manchmal auch Binnendünen gesäumt und einen immer weitläufiger werdenden Bereich durchlaufend, mündet sie in die Oder. Dichte Laubmischwälder aus Buchen, Hainbuchen und Erlen säumen das Tal und die Ufer.

Geformt wurde diese wildromantische Landschaft in der ausgehenden Weichseleiszeit, vor etwa 90 000 Jahren. Das Wasser der abtauenden Gletscher schnitt sich seinen Weg durch das östliche Brandenburg und bildete so das Schmelzwasserrinnensystem von Schlaube, Öse, Dorche und Demnitz, wie auch die Sanderflächen, eine offene Heidelandschaft, bei Reicherskreuz.

Ende 1995 wurde der Naturpark Schlaubetal als dritter Naturpark Brandenburgs eröffnet. Mehr als zwei Drittel der 227 Quadratkilometer sind von Wald bedeckt. 1100 Pflanzen-, 700 Schmetterlings- und etwa 200 Vogelarten sind hier zu finden. Darunter viele geschützte, oder sogar nur noch hier vorkommende Arten, wie seltene Orchideenarten (Frauenschuh und Korallenwurz), Eidechsen (Smaragdeidechse) oder der Hochmoor-Perlmutterfalter.

Wie in allen Naturparks und Naturschutzgebieten, wird auch hier ein Konsens versucht, zwischen kommerzieller Nutzung der Natur und dem Naturschutzgedanken. Sanfter Tourismus (zum Beispiel Wanderungen mit dem Rad oder zu Fuß und Pferdetouren) ist ein wichtiges Standbein. Ab und an aufgestaut, finden sich am Lauf der Schlaube viele Fischteiche.

Schon seit dem Mittelalter lässt sich hier Landwirtschaft nachweisen. Kiefern, mit seltsamen Wuchsformen finden sich hier. Deren Stämme teilen sich mehrfach und ihre Zweige verwurzeln wieder in der Erde, eine Folge jahrhunderte langer Landwirtschaft auf nährstoffarmen Böden. Heute wird etwa ein Viertel des Naturparks landwirtschaftlich genutzt. Urkundlich erwähnt schon im 13. Jahrhundert, nutzten Mühlen die Kraft des Wassers. Vor allem mahlten sie Getreide und Ölsaaten oder schnitten das Holz der Umgebung. Hinzu kamen später einige Tuchwalk- und Hammermühlen. Von den vielen Mühlen, die das Tal prägten, sind nur noch wenige in Betrieb.

Die Landschaft ist überaus vielfältig. Dichte Waldgebiete, Moore (darunter ein deutschlandweit als gefährdet geltendes Braunmoosmoor), Seen, Teiche, Wiesen, Dünen und eine weite Heidelandschaft finden sich hier. Letztere ist das Ergebnis eines jahrzehntelang genutzten Truppenübungsplatzes, des größten in der ehemaligen DDR. Heute fahren dort keine Panzer mehr auf diesem rund 750 Hektar großen Gelände. Jetzt sind es Heidschnucken, die diese besondere Landschaft aus nährstoffarmen Sandflächen und kurzwüchsigen Pflanzen bewahren.

Mit einer Broschüre vom Ministerium für Landwirtschaft, Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg ausgestattet, wollten wir diese viel gepriesene Landschaft erkunden. Ein Naturlehrpfad um die Schlaube, vom Wirchensee bis zum Ziskensee und zurück kam uns da gerade recht, auch wenn eine Vielzahl anderer ausgeschilderter Wanderwege zur Wahl standen.

Auch wenn Petrus eher versuchte, uns vom Weg zu spülen, schritten wir wacker voran. Leider nicht auf Fontanes Spuren, der sich aus unerfindlichen Gründen nicht hierher verirrt hatte. Im Bereich der Wanderwege gab es nichts auszusetzen. Jeder der halbwegs gut zu Fuß ist, oder die Pedale tritt, kommt leicht voran. An besonders schönen Punkten in der Landschaft sind kleine Aussichtpunkte eingerichtet worden.

Der Rückweg auf der anderen Schlaubeseite verlief etwas abenteuerlicher. Ich hoffe, es lag nicht an der Blindheit des Städters, sondern am noch reichlich vorhandenen Laub auf den Pfaden. Der Naturlehrpfad, als solcher auch nicht ausgezeichnet, verschwand, um ab und zu wieder von uns entdeckt zu werden.

Als krönender Abschluss ist kulinarisch ein Besuch der Bremsdorfer Mühle zu empfehlen, in deren Nähe sich auch eine Jugendherberge befindet. Frisches Wild der Umgebung – Vegetarier mögen uns verzeihen.

Ralf Salecker (Text und Fotos)