Nuthe-Nieplitz Naturpark

Das Zweistromtal südwestlich Berlins

Brandenburgs 10. Naturpark (von 14 Großschutzgebieten), wurde am 1. August 1999 feierlich in Blankensee eröffnet. Er liegt nur einen Katzensprung südwestlich von Berlin und Potsdam entfernt. Etwa 65 Prozent des Naturparks sind als Natur- und Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Dieses „Zweistromtal“ wird durch die Bäche Nuthe und Nieplitz geprägt. Sie entspringen im Fläming und entwässern das Gebiet nach Norden zur Havel hin. Die Niederungslandschaft eignet sich besonders gut zum Wandern und Radfahren, wobei man an den Hängen der 90 bis 100 Meter hohen Moränenzüge zuweilen ganz schön ins Schwitzen geraten kann. Folglich empfiehlt sich eine eingehende Erkundung auf des Schusters Rappen.

Naturpark Nuthe Nieplitz - Foto: Ralf Salecker

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Naturpark Nuthe Nieplitz - Foto: Ralf Salecker

Geschichte

Vor allem im Gebiet um den Gröbener und Siethener See sowie den Blankensee deuten archäologische Bodenfunde aus der Jungsteinzeit und Hünengräber auf eine etwa 6000 Jahre währende Besiedlung hin. Im Bereich der gewässerfreien Moränenplatte des Teltow um Ludwigsfelde dagegen blieben Funde bisher aus. Die Randlagen der Niederung und die Talsandinseln darin waren offensichtlich bevorzugte Siedlungsbereiche. Fischfang und Jagd und ab etwa 3000 Jahre vor unserer Zeitrechnung auch Ackerbau und Viehzucht bildeten die Lebensgrundlage der Menschen.

Während der Völkerwanderung verließen die germanischen Stämme die Region. Danach, in den ersten Jahrhunderten unserer Zeitrechnung, nahmen slawische Stämme von Osten kommend ihren Platz ein. Luitizen und Ploni ergriffen im 6. Jahrhundert Besitz von diesem Land und wurden möglicherweise Namensgeber für die beiden Bäche. Nuthe bedeutet soviel wie „Rinne“, Nieplitz „die Nichtschiffbare“, was einige als Hinweis auf Versumpfung und Verlandung sehen.

Für Ritter aus dem Westen war dieses Gebiet vom 8. bis zum 12. Jahrhundert stetes Ziel von Raub- und Eroberungszügen. Im 14. Jahrhundert wurden die Slawen endgültig den deutschen Kolonisatoren unterworfen. Viele erhaltene Reste von Burgwällen entlang der Nuthe bis Potsdam zeugen noch heute von der Zeit der Markgrafschaft Brandenburg. Diese Linie bildet heute die Grenze zwischen den beiden Kreisen Teltow-Fläming und Potsdam-Mittelmark. Im Laufe der folgenden Zeit wurden die Flüsse reguliert und vertieft, Feuchtgebiete durch Gräben und Kanäle entwässert um fruchtbares Land zu gewinnen, oder als Schutz vor Hochwasser. Friedrich der Große (1712-1786) wollte dieses Gebiet unbedingt in einen „nutzbaren“ Zustand versetzt wissen. Die erste Regulierung der Nuthe erfolgte 1776.

In Blankensee stand einmal eine Wasserburg. Auf ihren Resten wurde später ein Barockes Schloss errichtet, welches im damaligen Preußen das Zentrum einer sächsischen Enklave bildete.

Seit Anfang der 1990er Jahre pumpen die Schöpfwerke kein Wasser mehr ab. In der Folge entstanden große Flachwasserseen.

Landschaft

Zwei Eiszeiten formten die Landschaft des heutigen Naturparks als Zwischenurstromtal der abtauenden Gletscher. Von Potsdam bis zum nördlichen Fläming finden sich Jungmoränenzüge als flachwellige Ablagerungen aus Geröll, Mergel und Sand der Weichseleiszeit, die vor etwa 12 000 Jahren endete. Reste von Endmoränen bilden in dem Schmelzwassertal kleinere Erhebungen. Hierzu zählen die Glauer Berge mit einer Höhe von etwa 90 Metern, die sich wie ein kleiner „Gebirgszug“ zwischen dem Blankensee und der Nuthe bei Kleinbeuthen erstrecken. Auf dem Gebiet des ehemaligen Truppenübungsplatzes Jüterbog-West zeigt sich die von der älteren Saale-Eiszeit hinterlassene Altmoräne. Eine durch militärische Übungen wieder entstandene etwa 9 Hektar große Altdüne gehört zu den letzten aktiven Flugsanddünen im deutschen Binnenland.

Etwa 20 Prozent der Gesamtfläche des Naturparks wird von Naturschutzgebieten (NSG) eingenommen – die beiden größten sind das NSG Nuthe-Nieplitz-Niederung mit rund 5800 Hektar (Kerngebiet des Naturparks), sowie das NSG Forst Zinna Jüterbog-Keilberg, etwa 7200 Hektar (früherer Truppenübungsplatz).

Auffällig für das Gebiet sind ausgedehnte moorige Niederungsbereiche und flache Talsandflächen entlang der Wasserläufe. Etwa 41 Prozent der Naturparkfläche ist bewaldet. Äcker machen 25 Prozent der Fläche aus, Grünland 23 und dagegen Gewässer nur 1,8 Prozent.

Bemerkenswert und reizvoll ist die eher mosaikartige Verteilung der unterschiedlichsten Landschaftsformen. Dazu kommen große zusammenhängenden Grünflächen unterschiedlicher Feuchte (zum Beispiel Ungeheuerwiesen bei Blankensee), mit flach überstauten Randbereichen, oder auch ständig überstautes Grünland. Eine Kette von eher artenarmen Flachwasserseen, ausgestattet mit bis zu 500 Meter breiten Röhrichtgürteln (Blankensee) und unverbauten Ufern oder langsamfließende eutrophe Gewässer mit klarem Wasser, wechseln mit Wiesen, landwirtschaftlich genutzten Flächen, Forsten, Erlen-, und Eschenwald sowie Sandtrockenrasen ab. Dazu finden sich immer wieder kleine und kleinste Seen, Moore, Dünen und Binnenlandsalzstellen. Das Gebiet um Jüterborg-West beherbergt die vermutlich bedeutendsten Relikte natürlicher, intakter Hangmoor- und Quellmoorwälder im nordostdeutschen Altmoränengebiet.

Eine lokale Besonderheit der Nuthe-Nieplitz-Niederung sind die Salzwiesen bei Gröben, eine der am besten entwickelten Binnensalzstellen in Brandenburg. Hier finden sich eigentlich typische Küstenpflanzen (Wilder Sellerie und Strand-Milchkraut).

So verwundert es nicht, wenn sich im Gebiet der Nuthe-Nieplitz-Niederung eine artenreiche und zum Teil seltene und gefährdete Tier- und Pflanzenwelt findet. See- und Fischadler haben hier ihr Revier, der Fischotter tummelt sich in manchem naturnahen Gewässer und im Frühjahr sowie Herbst rasten Tausende nordischer Wildgänse und Kraniche auf den Flachwasserseen.

Ralf Salecker (Text und Fotos)
 
 
 
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