Naturschauspiel im Havelland

Vogelflug-Beobachtung im Westhavelland

Wir alle haben sie schon in L- und V-Formationen über Berlin fliegen sehen, sie auch gehört aber wieder aus den Augen verloren: Schwärme von Zugvögeln, die im Herbst, auf ihrer Reise von Skandinavien in ihre Winterquartiere, aus Scheu vor dem Menschen nicht auf Seen im Stadtgebiet, sondern in Brandenburg rasten.

Bevorzugt wird das Westhavelland. Es ist eines der größten zusammenhängenden Binnenfeuchtgebiete Mitteleuropas und als „Raststätte“ sehr beliebt. Zehntausende Kraniche, Enten, Schwäne, Grau-, Saat- und Blessgänse kamen auch wieder in diesem Herbst. Hier sammeln sie tagsüber auf den abgeernteten Feldern Kraft für die Weiterreise in den Süden Europas oder nach Nordafrika. Dabei können bis zu 150 000 Tiere zusammenkommen.

Jeden Abend zum Sonnenuntergang wiederholt sich das Schauspiel, wenn unzählige Vögel von ihren Futterplätzen auf die Schlafplätze fliegen. Noch bevor sie zu sehen sind kann man das Kreischen und Rufen hören und dann beobachten, wie Kraniche sanft kreisend auf Wiesen oder Gänse geradeaus gleitend auf Gewässern landen.

Der Naturpark Westhavelland reicht von Neustadt/Dosse bis an die Stadtgrenze von Brandenburg/Havel. Dabei ist das Nebeneinander von Luch und Ländchen eine Besonderheit. Obwohl die Moor- und Sumpfgebiete des Rhin- und des Havelländischen Luchs sowie des Dossebruchs teilweise trockengelegt wurden, sind noch zahlreiche Lebensräume für Biber, Fischotter und zahlreiche Vogelarten übrig geblieben. Neben der Havel durchziehen mehrere Fließe und Kanäle die Landschaft: Alter Rhin, Rhinkanal, Dosse, Stremme, Großer Grenzgraben, Havelländischer Großer Hauptkanal. Dazwischen erheben sich die „Ländchen“ wie große Inseln – geeignet zur Besiedlung: Land Nennhausen, Ländchen Friesack oder Ländchen Rhinow.

Im Frühjahr und Sommer ist Linum eher als Storchendorf bekannt. Wenn die letzten Störche zum Ende des Sommers in die wärmeren Gefilde fliegen ist im nun anbrechenden Herbst auf den Linumer Teichen das rege Treiben der Zugvögel zu beobachten. Besonders Schwäne und Gänse bevölkern hier die Wasseroberfläche.
Neben der Bewunderung der Zugvögel gilt es noch eine interessante Art von Landvögeln zu beobachten: die Großtrappe. Besonders im Frühjahr ist die Beobachtung ihrer Balz das Ziel von Exkursionen zu den Aussichtstürmen zwischen Buckow und Garlitz. Für Naturliebhaber ist das Westhavelland einfach zu allen Jahreszeiten interessant.

Alle Beobachtungen der Vögel sollten immer aus entsprechender Entfernung erfolgen, damit sie nicht aufgeschreckt werden. Jedes Starten, Landen und in der Luft bleiben kostet Kraft und gefährdet den sicheren Weiterflug. Wenn beispielsweise 10 000 Gänse aufgrund einer Störung 10 Minuten zusätzlich in der Luft verbringen, müssen sie rund 190 Kilogramm Gras zu sich nehmen, um dieses wieder auszugleichen. Deshalb gibt es extra Aussichtspunkte, die auch aufgesucht werden sollten.

Peter Siebke (Text), Ralf Salecker (Fotos)
 
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Aussichtsturm westlich von Nauen in Richtung HertefeldNaturparkverwaltung Westhavelland
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Dorfstraße 34
14715 Buckow bei Nennhausen
Telefon: (033872) 90 99 11Führungen mit der Naturwacht Gülper See
Telefon: (033872) 700 25
oder (03386) 21 12 27