Hoher Fläming

Unterwegs in der Burgenlandschaft

Die Gletscher der Saale-Eiszeit formten den Fläming vor etwa 150 000 Jahren. Rummeln und Riesensteine wurden hinterlassen und sind noch heute seine Besonderheiten. Die Rummeln – eng verzweigte, bis zu 12 Meter tiefe Trockentälchen, die nur bei starkem Regen und während der Schneeschmelze Wasser führen. Die Riesensteine – große Findlinge, wurden von den Gletschern aus Skandinavien herangeschoben. Sie sind nun überall in der Landschaft vorhanden.

Wiesenburg: Hoher Fläming - Foto: Ralf Salecker

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Wiesenburg: Hoher Fläming - Foto: Ralf Salecker

So entstand auch der 200 Meter hohen Hagelberg als höchste Erhebung. Von ihm bieten sich weite Ausblicke über den Fläming in die Garzer Berge und das Baruther Urstromtal. Der Fläming erstreckt sich über einer Länge von 130 Kilometer und einer mittleren Breite von 40 Kilometer zwischen Elbe, Dahme und Baruther Urstromtal. Unterschieden wird zwischen dem Hohen und Unteren Fläming.

Der Hohe Fläming gehört heute zu den meistbesuchten Naturparks Deutschlands. 90 Prozent davon sind als Natur- oder Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Sanfte Hügel mit Wiesen, Wäldern und klaren Bächen laden zum Wandern und Verweilen ein.

Das nur mit 30 Einwohnern pro Quadratkilometer dünn besiedelte Gebiet ist ein Paradies für Stillesuchende.

Menschliche Besiedelung

Günstigere Lebensbedingungen für eine menschliche Besiedelung Nordeuropas bildeten sich etwa ab 8000 vor Christus heraus. In der Flämingregion deuten Funde, die etwa 5000 Jahre alt sind, auf erste Bewohner hin. Sie begannen mit Ackerbau und Viehzucht. Im Laufe der Zeit veränderte sich das Landschaftsbild. Im 7. Jahrhundert besiedelten slawische Stämme vorwiegend in Gewässernähe die Gebiete.

In deutschen Besitz gelangte die Flämingregion um Belzig ab 1140. Es wurden so genannte Lokatoren entsandt, um Bauern und Handwerker für das dünn besiedelte Gebiet anzuwerben. So kamen Flamen und erschlossen mit ihren Siedlungen weite Landstriche. Die Bezeichnung „Fläming“ ist auf jene Zeit zurückzuführen. Ebenso sind die zahlreichen Mühlen und Feldsteinkirchen sowie Handwerks- und Bautraditionen Zeugnis jener Zeit.

Nach 1422 begann für das Gebiet eine über 500 Jahre währende Zugehörigkeit zu Kursachsen. Später, in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts führte der Dreißigjährige Krieg im Fläming zu großen Verwüstungen. Während der Befreiungskriege fand eine der wichtigen Schlachten – vor der entscheidenden Völkerschlacht bei Leipzig – bei Hagelberg, am 27. August 1813 statt.

Die Folgezeit, die Jahrzehnte um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert brachten wirtschaftlichen Aufschwung in diese Region. Ende der 1920er Jahre führte die Wirtschaftskrise auch im Fläming zu hoher Arbeitslosigkeit.

In den Jahren der DDR wurde die Landschaft des Fläming durch Großraumlandwirtschaft geprägt. Umweltprobleme wurden in den 1980er Jahren immer offensichtlicher. So sollte ein Großwasserwerk zur Versorgung von Potsdam gebaut werden, was ein regelrechter Abbau des Flämingwassers gewesen wäre.

Orte und Handwerk

Die Geschichte des Flämings war sehr wechselvoll. Es wurden Orte gegründet aber auch aufgegeben. Zahlreiche Hüttendörfer wurden während der Zeit des wirtschaftlichen Aufschwungs als Produktionsstätten angelegt. Der Waldreichtum bot genügend Rohstoff für die Herstellung von Teer, Holzkohle oder Glas. In jener Zeit entstanden Dörfer wie Glashütte, Jeserigerhütten, Medewitzerhütten und Neuehütten. Im vergangenen Jahrhundert prägten Windmühlen die Fläminglandschaft.

Zwei Mühlentypen waren im Fläming verbreitet. Die kegelförmige „Holländermühle“, die noch heute bei Niemegk und Groß Marzehns zu besichtigen ist und die „Bockwindmühle“, welche in restaurierter Form in Borne und Cammer zu sehen ist. Wassermühlen sind in Niemegk (Werdermühle), Buckau (Birkenreismühle) und Belzig (Springbachmühle) zu sehen.

Neben den Mühlen entwickelten sich die verschiedensten Handwerksberufe. So auch das heute noch zu besichtigende Handwerk des Töpfers und des Kerzenherstellers.

Töpfereien, die seit Generationen im Familienbesitz sind, können in Görzke besichtigt werden, während in Reetzerhütte die noch einzige, neunzig Jahre alte Kerzenfabrik zu finden ist. Dort kann beim Ziehen, Tauchen und Gießen von Kerzen zugesehen werden. Während in früheren Zeiten nur Bienenwachs verwendet wurde, ist es heute zu 95 Prozent aus Erdöl gewonnenes Paraffin.

Burgen und Natur

Zu den besonderen Sehenswürdigkeiten des Hohen Fläming zählen vier Burgen.

In Belzig die Burg Eisenhardt, Schloss Wiesenburg und die Burg Ziesar. Diese gehen auf slawische Wehranlagen zurück, die etwa ab 1200 durch Steinburgen ersetzt wurden. Burg Rabenstein in Raben wurde erstmals im Jahre 1251 erwähnt.

Ungefähr die Hälfte des Naturparks ist bewaldet. Es sind Eichen, Hain- und Rotbuchen, Traubeneichen, Winterlinden und Kiefern sowie Erlen und Weiden an den Bachläufen, die im Hohen Fläming den relativ jungen Wald bilden. Jünger als 80 Jahre sind 76 Prozent der Bäume. Im Schutz des Waldes lebt Dam- und Rotwild, Mufflons, der Marderhund und auch der Dachs. In alten Waldbeständen mit viel Totholz ist der Mittelspecht, das Wappentier des Naturparks Hoher Fläming, zu Hause.

Auf Grund seiner Geländeform und seines hohen Alters zählt der Fläming zu den oberflächenwasserärmsten Gebieten Deutschlands. In höheren Lagen hat er kaum natürliche Fließgewässer. Auch Stillgewässer sucht man vergebens. Lediglich eine Vielzahl von flächig auftretenden Quellen lassen häufig Quellsümpfe entstehen. Ein dünnes Netz kleiner Bäche, die Flämingfließe genannt werden, ist im Naturpark zu finden. Einige gehören zu den ökologisch wertvollsten Bächen Brandenburgs.

In Ihnen tummeln sich Tier- und Pflanzenarten, die in Brandenburg bereits auf der Roten Liste der besonders gefährdeten und schützenswerten Arten stehen. Bachforelle und Bachneunauge sind heimisch. In der Plane und Buckau kommen noch die Schmerle und auch der vom Aussterben bedrohte Edelkrebs vor. Die Wasseramsel und der Schwarzstorch haben ebenfalls dort Ihren Lebensraum.

Wer Natur erleben und frische Luft schnappen will, der ist im Hohen Fläming richtig. Den dichten Wäldern sowie fehlenden Städten und Industrieanlagen verdankt man reine Luft und gutes Klima, welches Wanderungen zu einem Vergnügen werden lassen.

Servicestation für Besucher des Naturparks Hoher Fläming ist das Naturparkzentrum in Raben. Die Alte Brennerei ist seit 1997 der Sitz des Naturparkvereins, der Naturparkverwaltung und des Flämingladens. Unter einem Dach werden Informationsmaterial über Geschichte, Tradition, Natur und Sehenswürdigkeiten des Naturparks sowie eine große Erlebnisausstellung angeboten.

Außerdem gibt es hier einen Fahrradverleih und im Flämingladen werden flämingtypische Erzeugnisse wie Töpferwaren, Kerzen, Honigprodukte, Säfte, Brennereierzeugnisse sowie Naturkostprodukte angeboten.

Peter Siebke (Text), Ralf Salecker (Fotos)
 
 
Naturparkzentrum
„Alte Brennerei“
Brennereiweg 45
14823 Rabenstein/Fläming, OT Raben
Telefon: (033848) 600 04
Fax: (033848) 603 60
www.flaeming.net
Öffnungszeiten:
Ganzjährig täglich von 9.00-17.00 Uhr