Forstbotanischer Garten Eberswalde

Ein Ausflug in den Norden Berlins

Werbellinsee mit Jagdschloss Hubertusstock, Zisterzienserkloster Chorin, Finowkanal mit Schiffshebewerk, Harley-Davidson-Treffen in Biesenthal – das alles ist im Umkreis von zehn Kilometer zu finden, wenn man auf dem Marktplatz von Eberswalde steht. Und Eberswalde selbst?

Die kleine Stadt im Norden Berlins mit ihrem Alten Rathaus – einem barocken Bürgerhaus, das älteste Fachwerkhaus der Stadt – in dem heute auch ein Museum untergebracht ist, dem Löwenbrunnen von Christian Daniel Rauch, einem Tiergarten und einem wirklichen Kleinod: dem Forstbotanischen Garten.

Forstbotanischer Garten Eberswalde - Foto: Ralf Salecker

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Forstbotanischer Garten Eberswalde - Foto: Ralf Salecker

Am südwestlichen Rand von Eberswalde, zwischen Schwappachweg und dem Flüsschen Schwärze, liegt die etwa acht Hektar große, parkartige Anlage. Sie ist als Solitärarboretum, das heißt als Gehölzgarten angelegt.

Gegründet wurde der Forstbotanische Garten im Jahr 1830 zusammen mit der damaligen Königlichen Preußischen Höheren Forstlehranstalt Eberswalde. Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil (1783-1859) hatte mit Unterstützung von Wilhelm von Humboldt (1767-1835) beschlossen die Forstakademie von Berlin nach Eberswalde zu verlegen. Der Forstbotanische Garten war der dazugehörige Lehrgarten, was er auch heute noch ist. Denn aus der ehemaligen Forstakademie wurde in der DDR das Institut für Forstwissenschaften und seit 1992 die Fachhochschule Eberswalde.

Die Anlage zählt zu den ältesten Botanischen Gärten Europas und ist, neben ihrem eigentlichen Zweck, nämlich der Forschung und Lehre, auch ein Anziehungspunkt für Erholungssuchende. So erfüllt der Forstbotanische Garten eine wichtige Funktion für den Naturschutz, da er gefährdete Bereiche der Natur aufzeigt und damit zur Umwelterziehung seinen Beitrag leistet.

Vom Parkplatz kommend überqueren wir den Schwappachweg und betreten durch das schmiedeeiserne Tor den Forstbotanischen Garten.

Über 1200 Gehölzsippen aus aller Welt erwarten uns und lassen den Gartenrundgang zu einem unvergesslichen Naturerlebnis werden. Auf dem links vom Eingang stehenden Übersichtsplan orientieren wir uns und beginnen den Rundgang in östlicher Richtung entgegen dem Uhrzeigersinn. Er führt uns am Afrikanum mit vielen Kübelpflanzen vorbei, zum Kräutergarten mit dem Denkmal von Julius Theodor Christian Ratzeburg (1801-1871), der für die Einrichtung des Forstbotanischen Gartens bei seiner Gründung verantwortlich war.

Im Kräutergarten bekommen wir einen Einblick in die Naturheilkunde. Wir sehen Heil-, Gewürz- und Giftpflanzen der vielfältigsten Art. Aus vielen werden Arzneien gewonnen, die dem einen oder anderen sicher schon geholfen haben. Beruhigungsmittel aus Johanniskraut und Schlafmohn, Herz- und Kreislaufmittel mit dem Wirkstoff Ephedrin, Magenmittel aus Benediktenkraut, Salbei und Wermut, Abführmittel aus dem Faulbaum oder Hustenmittel aus Huflattich, Roter Sonnenhut und Echter Eibisch. Neben der Gewinnung von Arzneien werden Pflanzenextrakte auch für Schönungsmittel (Lavendel, Manna-Esche, Korn- Flockenblume) oder Färbemittel (Echte Färberröte, Malblume, Schöllkraut, Färberscharte, Färberresede) gewonnen.

Im ostasiatischen Quartier gönnen wir uns eine erste Rast. Vom Asiatischen Pavillon aus schweift unser Blick über Japanische Blütenkirsche, Siebold-Apfel, Japanischer Straxbaum, Goldlärche und Chinesische Esche.

Wieder auf den Beinen geht es weiter an Korea-Kiefer und Amur-Linde vorbei und leicht bergab zu einem, für die Fachhochschule mit seinem Forstbotanischen Garten, sehr wichtigen Teil: das Salicetum. Mit 230 verschiedenen Weidenarten ist es die größte Weidensammlung Deutschlands und zugleich die Grundlage für umfangreiche Forschungen. Weiden aus aller Welt zeigen ihre Unterschiedlichkeit. Die Babylonische Weide aus dem Himalaja, die Weißdornblättrige Weide aus Italien, die Lappen-Weide aus Tschechien und Norwegen oder die Korb-Weide aus Deutschland um nur einige zu nennen.

So international wie die Weidenarten vertreten sind, so international gestaltet sich auch die Kooperation bei der Forschung. So gibt es neben der Zusammenarbeit im Verbund der Botanischen Gärten, mit der Universität Bayreuth und der Humboldt-Universität Berlin auch gemeinsame Projekte mit der Oregon State University Corvallis (USA) und mit der University of Pretoria (Südafrika).

Unser Weg führt uns weiter am Flüsschen Schwärze entlang, vorbei am Hochmoorbeet über einen Steg zum Quellmoor. Dort werden wir von einer Besonderheit überrascht: dem Riesen-Schachtelhalm, wie er sonst in Deutschland nur selten zu sehen ist. Es ist ein richtiger Wald mit „Halmen” bis zu zwei Meter Höhe. Wir erhalten eine Vorstellung davon, wie vor Millionen Jahren, zur Zeit der Steinkohlenformation, riesige „Schachtelhalm-Bäume” ausgedehnte Wälder bildeten. Früher wurde der Schachtelhalm auch Zinnkraut genannt, weil er zum Putzen und Schleifen verwendet wurde. Wer ihn anfasst erfährt warum.

Über den Steg zurückgehen wir wieder zur Schwärze, vorbei an nordamerikanischen Bäumen wie dem Mammutbaum, der Sierra-Tanne oder einer Kanadischen Hemlocktanne. Weiter finden wir auf unserem Rundgang Bäume aus Sibirien, der Mandschurei, der Türkei und dem Kaukasus. Besonders ins Auge sticht bei unserer Wanderung ein riesiges Mammutblatt.

Aus Wikipedia:

Das Mammutblatt (Gunnera manicata), auch Riesen-Rhabarber genannt, ist nicht mit dem Rhabarber (Rheum rhabarbarum) verwandt. Sie ist in großen Parkanlagen als Zierpflanze zu finden.
Das Mammutblatt stammt aus den Nebelwäldern der Serra do Mar im südlichen Brasilien.

  • Abteilung: Bedecktsamer (Magnoliophyta)
  • Klasse: Dreifurchenpollen-
  • Zweikeimblättrige (Rosopsida)
  • Ordnung: Gunnerales
  • Familie: Gunneraceae
  • Gattung: Gunnera
  • Art: Mammutblatt

Einen Besuch statten wir auch dem Alpinum mit seinem Steingarten ab. Anschaulich wird der Einblick in andere geografische Pflanzengesellschaften gegeben. Die kleine Anlage zeigt in einem der Alpenlandschaft nachgebildetem Gelände dort ansässige Pflanzen.

Weiter geht es zum Staudengarten und in einem Bogen zurück zum Mittelteil des Gartens. Über eine kleine Lichtung, auf der wir unsere zweite Rast machen und auf der an jedem letzten Wochenende im Juli Konzerte stattfinden, gelangen wir, leicht bergan gehend, zum Denkmal von Friedrich Wilhelm Leopold Pfeil.

Auf dem Weg zum Ausgang kommen wir noch an einer Schneebeere und Felsenbirne vorbei. Letztere hat mit einer Birne nichts zu tun, sondern ist eine Beere und beliebte Nahrungsquelle für Vögel. Überhaupt bietet die große Fläche des Gartens einer Vielzahl von Singvögeln hervorragende Siedlungs- und Brutmöglichkeiten.

Mit den genannten Sonderanlagen ist der Forstbotanische Garten ein sehenswertes Kleinod, in dem die Zeit wie im Fluge vergeht und ein ganzer Tag erholsam verbracht werden kann. Entlang beschilderter Rundgänge wird der Besucher durch den Garten geleitet und in verständlicher Weise auf Besonderheiten hingewiesen. Ein Besuch lohnt sich zu jeder Jahreszeit.

Peter Siebke (Text), Ralf Salecker (Fotos)
 
 
Fachhochschule Eberswalde
Forstbotanischer Garten
Am Zainhammer 5
16225 Eberswalde
Telefon: (03334) 655 62
www.fh-eberswalde.de
www.eberswalde.de
Öffnungszeiten:
1.April bis 31. Oktober
täglich 9.00-18.00 Uhr
1. November bis 31. März
täglich 9.00-15.30 Uhr