Ein Osterausflug ins Ruppiner Land

Auf den Spuren preußischer Geschichte

Ein Winter, der diesen Namen wirklich verdiente, ist vorbei. Deshalb ist die Freude auf den Frühling und die Osterfeiertage besonders groß. Was liegt näher, als sich Gedanken über einen ersten Ausflug im Jahr 2010 zu machen.

Die diesjährige Frühjahrsausfahrt mit dem Auto wird uns in die Ostprignitz – das Ruppiner Land, führen.
Von Spandau fahren wir in Richtung Siedlung Schönwalde. Über Paaren kommen wir nach Börnicke, wo wir nach rechts auf die B273 abbiegen. Dieser folgen wir bis Charlottenau und fahren dort nach links in Richtung Fehrbellin. Unser Weg führt durch Linum nach Hakenberg, südöstlich von Fehrbellin.

Fehrbellin? Richtig, da fand im Jahr1675 die Schlacht von Fehrbellin statt, in der während des brandenburgisch-schwedischen Krieges (1675-1679) am 28. Juni 1675 (18. Juni nach julianischem Kalender) die in Brandenburg eingefallenen schwedischen Truppen vom Heer des Kurfürsten Friedrich Wilhelm (1620-1688) geschlagen wurden. Entscheidend für die Niederlage der Schweden war, dass es dem Feldmarschall Georg Freiherr von Derfflinger (1606-1695) gelang, bei Hakenberg 4 Geschütze in Stellung zu bringen, die unter den schwedischen Truppen zu schweren Verlusten führten.

Derfflinger? Wir erinnern uns an die  Schlössertour durch Märkisch-Oderland. Sie führte zum Schloss Gusow. Dort lebte Derfflinger nach der Heirat der Tochter des Hauses bis zu seinem Tode. Durch den Sieg in der Schlacht von Fehrbellin wurde der Kurfürst zum „Großen Kurfürsten“.

Zu Ehren dieses Sieges wurde an jener Stelle, an der sich die Geschützstellung der Brandenburger befand, eine 36 Meter hohe Siegessäule errichtet. Sie ist unser erstes Ziel. Erbaut wurde die Siegessäule auf Initiative des Kronprinzen Friedrich Wilhelm von Preußen (später Kaiser Friedrich III., 1831-1888).

Siegessäule mir Victoria (Foto: Peter Siebke)
Auf einem würfelförmigen Sandsteinsockel steht der aus Klinkern gemauerte Rundturm, in dem 114 Stufen noch oben auf eine Aussichtsplattform führen. In ihrer Mitte steht auf einem Sockel die 4,15 Meter hohe, 15,5 Tonnen schwere, vergoldete Bronzestatue der Siegesgöttin Victoria. Sie ist das Vorläufermodell der „Goldelse“ auf der Berliner Siegessäule.
Victoria: das Vorläufermodell der „Goldelse“ auf der Berliner Siegessäule

Nachdem wir den Blick von der Säule genossen haben, fahren wir durch den Ort Fehrbellin in Richtung Neuruppin. Hier verbrachte Friedrich II. (1712-1786) seine Jugendjahre; Karl Friedrich Schinkel (1781-1841) und Theodor Fontane (1819-1898) wurden hier geboren.

Wir biegen aber in Dammkrug nach rechts ab und fahren durch Langen mit seiner bekannten Kirche. Der preußische Baumeister Friedrich August Stüler (1800-1865) hatte entscheidenden Einfluss auf die Baugestaltung dieses weithin sichtbaren Gotteshauses.

Unser nächster Zielort heißt Wustrau mit dem dortigen Brandenburg-Preußen Museum. In ihm wird der Aufstieg von Brandenburg-Preußen zur europäischen Großmacht unter dem Geschlecht der Hohenzollern anschaulich beschrieben. Preußen war mit Abstand Vorreiter auf vielen Gebieten: In Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Technik, Rechtsstaatlichkeit und sozialer Verantwortung. Marksteine der Geschichte und Portraits der 20 brandenburgischen Kurfürsten, preußischen Könige und deutschen Kaiser geben einen guten Überblick.

Am Schloß des Husarengenerals Hans Joachim von Zieten (1699-1786) vorbei verlassen wir Wustrau und fahren über Altfriesack nach Radensleben, wo wir nach links abbiegen. Kurz vor Lichtenberg sind wir am Ziel unserer Ausfahrt: Gut Hesterberg erwartet uns zum Mittagessen.

Nach einer längeren Pause fahren wir bis Radensleben zurück, biegen dort nach links ab und fahren bis Herzberg. Dort blinken wir rechts und fahren über Sommerfeld nach Kremmen. Ein Begriff, der sich mit Kremmen verbindet, ist das historische Scheunenviertel. Das Viertel entstand um die Mitte des 17. Jahrhunderts weil es aufgrund von Brandkatastrophen damals verboten war, Scheunen in der Stadt zu bauen.

Heute werden die Scheunen vielfältig genutzt. So z. B. als Museums-, Antiquitäten-, Markt- und Bikerscheune.
Nach dem Kaffeetrinken, fahren wir auf der B273 bis Börnicke und von dort den selben Weg, den wir gekommen sind, zurück nach Spandau.

Peter Siebke