Ein Besuch der Ziegelei in Altglietzen

Industriekultur im Oderbruch

Viele Berliner kennen die ständige Ausstellung “Berlin ist aus dem Kahn bebaut”, die in einer Zille im Museumshafen an der Jannowitzbrücke zu sehen ist. Dort erfährt man, aus welchen Gegenden in der Gründerzeit Ziegel nach Berlin gebracht wurden.

   Ziegelei in Altglietzen im Oderbruch. (Foto: Peter Siebke)
Einige Ziegeleien existieren noch und laden zum Besuch ein. Sofort fällt uns der 42 Hektar große „Ziegeleipark Mildenberg“ und das “Märkischen Ziegeleimuseum Glindow” ein. Das besondere an diesem Museum ist, dass der Besucher die Ziegelfertigung noch in Aktion erleben kann. In beiden Ziegeleien gibt es interessante Ausstellungen, die ausführlich zeigen, dass Berlin und große Teile der Mark mit Ziegeln aus diesen Ziegeleien erbaut wurden.

Es gibt aber noch eine Ziegelei im Oderbruch, die in jüngster Zeit viel an ihrem öffentlichen Erscheinungsbild arbeitet. Sie befindet sich in dem kleinen Ort Altglietzen, nördlich von Bad Freienwalde. Auch in dieser Gegend gab es mehrere Ziegeleien, wie man an dem Schornstein einer ehemaligen Ziegelei im nahe gelegenen Trebnitz noch sehen kann. Vor 50 Jahren waren es noch fünfzehn. Ebenso wie aus dem Zehdenicker Raum wurden auch aus dem Oderbruch Milliarden von Ziegel nach Berlin gebracht. Teilweise über die Oder aber auch mit der sogenannten Preußischen Ostbahn.

Diese nahm 1851 ihren Teilbetrieb auf und war später mit insgesamt rund 750 km Länge die erste bedeutende Eisenbahnlinie der Preußischen Staatseisenbahnen. Sie erschloss die preußischen Gebiete östlich Berlins und entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einer der wichtigsten Eisenbahnmagistralen Europas und zu einer der Hauptachsen des Ost-West-Verkehrs im damaligen Deutschen Reich. Eine interessante Ausstellung in Groß Neuendorf /Oder informiert umfassend über diese Bahn.

Zurück nach Altglietzen. Auch diese Ziegelei verfügt, wie die anderen genannten Ziegeleien, über einen Hoffmannschen Ringofen. Diese Erfindung des Ringofens war für die Ziegelherstellung revolutionierend. Das Patent darauf meldete der Ingenieur, Erfinder und Unternehmer Friedrich Eduard Hoffmann im Jahr 1858 an. Das Grab des 1900 verstorbenen, auch erfolgreichen Baumeisters, befindet sich auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin.

Die Ziegelei Altglietzen gehörte von 1871 bis 1920 Wilhelm Fritze, der um 1878 einen Hoffmannschen  Ringofen errichten ließ. Nach dem Ersten Weltkrieg kaufte Max Hietzig das Ziegelwerk in Altglietzen und im Jahre 1929 wurde der vorhandene Ringofen, wegen der gestiegenen Nachfrage an Ziegeln, erweitert und neu gestaltet.

Der Zweite Weltkrieg hatte große Schäden an der Ziegelei verursacht. Sie wurde aber durch den Eigentümer aus eigenen finanziellen Mitteln wieder aufgebaut, so dass 1947 die Produktion auch im Ringofen wieder aufgenommen werden konnte. Diese erfolgte bis Mitte der 1980er Jahre. Dann wurde der Ringofen stillgelegt, weil das Tonvorkommen erschöpft war.

Die Produktion wurde umgestellt auf Gebrauchs- und Zierkeramik und gebrannt wurde in Elektroöfen.
1993 erfolgte durch die Firma Golem ein erneuter Umbau. Bis heute werden Verblender, Handstrich- und Formziegel für Gebäuderestaurationen in Gasbrennöfen hergestellt. 1989 musste der Schornstein des Ringofens in Altglietzen, auf Grund starker baulicher Mängel, abgerissen werden und es erfolgte die Aufnahme in die Akte der Denkmalliste.

Der Ringofen wurde dann viele Jahren nicht mehr für die Produktion von Ziegeln genutzt und so nagt der Zahn der Zeit an diesem letzten gut erhaltenen Bauwerk seiner Art, hier im Oderbruch, wo früher eine Vielzahl von Ziegeleien zu finden waren.

Der Förderverein Hoffmannscher Ringofen 1878 Altglietzen e.V. Wurde im Jahr 2006 ins Leben gerufen, mit dem Ziel den Ringofen zu erhalten. Der Ringofen soll wieder zu einer ansprechenden Attraktion für den Ort Altglietzen werden, wo Ausstellungen und Besichtigungen möglich sind, wo die Geschichte und Tradition, vom Ziegel und Ziegelhandwerk, vermittelt werden kann.

Peter Siebke