Der Teltowkanal und die Schleuse Kleinmachnow

Ein Ausflug zur „Machnower Schleuse“

Gut zwei Jahre ist es nun schon wieder her, dass im Juni 2006 die Feiern zum 100-jährigen Bestehen des Teltowkanals an der rekonstruierten Schleuse Kleinmachnow stattfanden.
Der von 1900-1906 erbaute Kanal ist die Verbindung der Spree im Südosten mit der Havel im Südwesten Berlins. Mit seinem Bau entstand eine wichtige Wasserstraße, deren Inbetriebnahme die rasche Entwicklung des Berliner Südens und der angrenzenden Gemeinden Teltow, Stahnsdorf und Kleinmachnow förderte. Der Teltowkanal führt durch die südlichen Bezirke Berlins von Köpenick-Treptow über Neukölln nach Tempelhof-Schöneberg und Steglitz-Zehlendorf. Danach weiter durch den Griebnitzsee bis zur Havel.
Der Kanal dient als Schifffahrtsweg für die Umgehung der innerstädtischen Berliner Wasserstraßen und als Regenwasserabfluss des nördlichen Teils des Landkreises Teltow. So war es auch der Teltower Landrat Ernst von Stubenrauch, durch dessen Bestreben der Bau des Teltowkanals erfolgte.

Machnower Schleuse (Foto: Peter Siebke)
Machnower Schleuse (Foto: Peter Siebke)

Beim Bau des Kanals wurden in Lichterfelde unter anderem das Bett des Bäkefließes – der ehemaligen Telte – und der Lanke verwendet. Insgesamt stellte der Kanalbau die Bauarbeiter und Ingenieure wider Erwarten vor große Probleme, da teilweise der Baugrund sehr schlecht war.
In den ersten Jahren wurden die Schiffe auf dem Teltowkanal mittels Elektrolokomotiven getreidelt. Diese Lokomotiven fuhren auf der in Fahrtrichtung rechten Seite des Kanals und zogen – treidelten – so die Schiffe. Eine solche Lokomotive steht an der Emil-Schulz-Brücke in Lichterfelde Ost als Denkmal.
Während der Mauerzeit war der Teltowkanal an seinem Beginn, im Bezirk Köpenick, gesperrt. Bis Anfang der 1980er Jahre war auch der Schiffsverkehr auf der Westseite, von der Havel kommend, nicht möglich. Durch eine Grenzsperreinrichtung floss nur sehr wenig Wasser von der Spree direkt in den Kanal, so dass er fast versandete. Mit der Wiedereröffnung der „Machnower Schleuse“ 1981 wurde von der DDR nahe Kohlhasenbrück ein vom Berliner Senat mit 70 Millionen DM bezahlter Grenzkontrollpunkt eingerichtet. Der Kanal war so in seinem westlichen Teil wieder befahrbar. Seit der Wiedervereinigung wurde der Kanal saniert und auch der östliche Beginn des Kanals wieder schiffbar gemacht.
Das wichtigste und auch markanteste Bauwerk am rund 38 Kilometer langen Teltowkanal ist aber die „Machnower Schleuse“. Amtlich korrekt: Schleuse Kleinmachnow (Klm), Teltowkanal (Tek) km 8,34.
Sie ist die einzige Schleuse des Kanals und hat die Aufgabe den Höhenunterschied von 2,7 Meter zwischen Spree und Havel zu überwinden und den Auf- und Abstieg der Schiffe zu vermitteln. Am westlichen Ende des Machnower Sees gelegen entstand damals ein technisch modern ausgerüstetes und architektonisch gelungenes Bauwerk. In der Schleuse dominierten bereits elektrische Antriebe. Es gab keine Schleusenknechte mehr, die, wie an älteren Schleusen, die Schiffe in die Kammern hinein und aus ihnen hinaus ziehen mussten.
Das Wahrzeichen der unter Denkmalschutz stehenden Schleuse sind die beiden 14 Meter hohen Portale mit ihrer Spitzdachkonstruktion für die vier charakteristischen Hubtore. Sie dichten die beiden Schmalseiten der zwei Schleusenkammern ab. Dazwischen liegt die ehemalige “Schleusnerbude“ des Schleusenmeisters. Die Hubtore hängen an Seilen und Ketten. Diese sind so bemessen, dass im Falle einer Beschädigung, eine dieser Haltevorrichtungen das etwa 20 Tonnen schwere Hubtor allein tragen kann.
Ab 1939 wurde die bis dahin aus zwei Kammern bestehende Schleuse um die größere Nordkammer erweitert.
An der Schleuse Kleinmachnow wurden umfangreiche Instandsetzungsmaßnahmen durchgeführt, die 2005 abgeschlossen wurden. Im Rahmen des Verkehrsprojektes Deutsche Einheit Nr. 17 soll eine neue Schleuse mit einer 190 Meter langen Kammer in der vorhandenen Nordkammer gebaut werden.
Die „Machnower Schleuse“ ist eine Sehenswürdigkeit. Schon zur Eröffnung damals bestand eine Dampfstraßenbahn-Verbindung für Publikumsverkehr und Ausflügler, die ab März 1907 elektrisch betrieben wurde. Verschiedene Restaurants wurden eröffnet, die bei Anwohnern und Ausflüglern sehr beliebt waren. Die Schleuse wurde zum Publikumsmagneten – war sie doch mit der Straßenbahn Großlichterfelde über Teltow und Stahnsdorf bequem zu erreichen.
Ein Publikumsmagnet könnte die Schleuse Kleinmachnow auch heute wieder werden. Das hoffen jedenfalls die in der Nähe liegenden Gaststätten.
Die beim Schleusenfest 2008 erfolgte Wiedereröffnung der “Schleusnerbude“ als Informationszentrum, auf der zwischen Süd- und Mittelkammer gelegenen „Schleusenplanie“, ist ein erster Schritt in diese Richtung. Viele interessante Schaukästen im überdachten Wandelgang der einstigen Fußgängerbrücke, eine kompetente Besatzung im Informationszentrum sowie zahlreiche Broschüren geben umfassend Auskunft über die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft der Schleuse Kleinmachnow.

Öffnungszeiten des Informationszentrums:
An Sonnabenden, Sonntagen und Feiertagen von 12 bis 18 Uhr. Jeden 1. Sonntag im Monat um 15 Uhr finden Schleusenführungen statt.
Voranmeldungen und Informationen unter: 033203-57773.

Peter Siebke