Auf Schlössertour durch Märkisch-Oderland

Ein Spätsommerausflug

Der Sommer ist schneller vorbei als wir denken. Deshalb sollte vielleicht noch im August ein schöner Ausflug geplant werden. Darf ich Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, die Tourenplanung abnehmen und Sie zu einer Fahrt einladen, auf der es viel zu sehen gibt?
Ja? Na, dann los!
Von Falkensee führt uns der Weg einmal quer durch Berlin Richtung Osten. Auf der Heerstraße, der Bundesstraße 5 (B5), fahren wir bis ins Zentrum Berlins, wo sich die B5 mit der Frankfurter Allee (B1) zur B1/5 vereint und – wie der Name schon sagt – bis nach Frankfurt an der Oder führt. Wir folgen dieser breit ausgebauten Straße, fahren durch Rüdersdorf und Herzfelde, an Müncheberg vorbei, bis nach Jahnsfelde.
Hier biegen wir nach links ab und stoßen in dem kleinen Ort gleich auf ein Herrenhaus, welches aus dem Jahr 1680 stammt und an das 1871 an beiden Stirnseiten jeweils ein Kopfanbau in märkischer Backsteingotik angefügt wurde. Leider ist es nicht von innen zu besichtigen.
Im nächsten Ort, in Trebnitz, ist das dortige Schloss eines der imposantesten Bauten in Märkisch-Oderland. Das barocke Äußere sowie seitliche Anbauten erhielt es erst zu Beginn des vorigen Jahrhunderts. Heute ist das Haus ein Begegnungszentrum für internationale Jugendarbeit mit Schwerpunkt Osteuropa und leider auch nicht von innen zu besichtigen.

Schloss Trebnitz (Foto: Peter Siebke)
Schloss Trebnitz (Foto: Peter Siebke)

 

Unsere Fahrt führt uns weiter in Richtung Wriezen nach Wulkow. Das dortige Schloss geht, wie manch anderes Herrenhaus in Märkisch-Oderland, auf Besitzungen des Feldmarschalls Derfflinger zurück. Der, wie er auch genannt wurde, „Alte Derfflinger“ war als Feldmarschall im Dreißigjährigen Krieg die rechte Hand des Kurfürsten, den er mit seinem Sieg bei Fehrbellin zum „Großen Kurfürsten“ machte. Ein erster Bau aus dem Jahre1697 wurde1868 und 1912 umgebaut, so dass die ursprüngliche Form nur noch zu erahnen ist. Es ist aber sehenswert und beherbergt heute ein Viersterne-Hotel.

Folgen wir weiter dieser Straße, so gelangen wir nach Neuhardenberg. Das dortige Schloss hat eine lange Geschichte aufzuweisen.

Schloss Hardenberg - Foto: Peter Siebke
Schloss Hardenberg (Foto: Peter Siebke)

Im Siebenjährigen Krieg, rettete Rittmeister Bernhardt von Prittwitz König Friedrich II. vor einer Gefangenschaft und bekam dafür 1763 den Herrensitz Quilitz geschenkt. 1814 wurde der Reformer und preußische Staatskanzler Karl-August Fürst von Hardenberg neuer Eigentümer. Ihm zu Ehren erhielt der Ort Quilitz den Namen Neuhardenberg. Der letzte Schlossherr, Carl-Hans Graf von Hardenberg, gehörte zu den Männern des 20. Juli 1944 und wurde von den Nationalsozialisten enteignet. Nach 1945 blieb die Enteignung bestehen; die Familie musste den Ort verlassen. Der wurde in Marxwalde umbenannt und auf dem nahen Flugplatz war eine Flugstaffel der Regierung der ehemaligen DDR stationiert.
Im Juni 1991, nach der Wiedervereinigung Deutschlands, erhielt das Dorf den Namen Neuhardenberg und 1996 die Familie Hardenberg ihren Besitz zurück und fand im Deutschen Sparkassen- und Giroverband einen Partner, der Schloss und Park behutsam sanierte. Das gesamte bauliche Ensemble, in dem sich ein Hotel, zwei Restaurants sowie ein Veranstaltungssaal, in welchem in den Sommermonaten beste kulturelle Veranstaltungen stattfinden, ist unbedingt einen Besuch wert.
Sehenswert ist die in unmittelbarer Nähe des Schlosses stehende Schinkel-Kirche, die gemeinsam mit dem Schloss das Ortsbild prägt.
Wir verlassen Neuhardenberg auf der B167 in Richtung Seelow – halten aber in Gusow an, um das dortige Schloss zu besichtigen.

Schloss Gusow (Foto: Peter Siebke)
Schloss Gusow (Foto: Peter Siebke)

Die farbenprächtig renovierte Anlage ist so, in ihrer neogotischen Form, nicht älter als 130 Jahre. Ihre Geschichte aber geht bis ins Mittelalter zurück. So heiratete nach dem Dreißigjährigen Krieg der schon erwähnte Feldmarschall Derfflinger die Tochter des Hauses, Margarete Tugendreich von Schapelow.
Friedrich I. hat Gusow ebenso besucht wie fast alle Könige und Kaiser nach ihm. Auch Friedrich der Große.
Im April 1945 ist auch General Bersarin, der spätere 1. Stadtkommandant von Berlin, in Gusow gewesen.
Heute befindet sich im Schloss eine Pension, ein Cafè und ein Museum – das 1. Zinnfigurenmuseum Berlin-Brandenburg. Außerdem finden interessante geschichtliche Vorträge und Ausstellungen statt. Ein Besuch ist zu empfehlen.
Der Tag neigt sich und unser Ausflug geht zu Ende. In Seelow kommen wir auf die B1/5 und fahren wieder so nach Falkensee zurück, wie wir gekommen sind.

Peter Siebke